Das Internat für behinderte Kinder
Das Kerstin-Heim ist eine seit vielen Jahren anerkannte heilpädagogische Einrichtung mit einem angeschlossenen Internat für behinderte Kinder. Durch das Land Hessen wurde das Kerstin-Heim für sein Angebot zertifiziert.
Die durch den Staat genehmigte Sonderschule ist ein besonderes Internat für behinderte Kinder. Das angeschlossene Internat für behinderte Kinder befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Kerstin-Heim. So ist eine kooperative Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und den Mitarbeitern der therapeutischen Einrichtung gewährleistet.


In unserer vollstationären Einrichtung finden 54 Kinder und Jugendliche mit geistiger und mehrfacher Behinderung Platz. Wir betreuen auch Kinder mit autistischem oder hyperkinetischem Syndrom, die intensiver pädagogischer Zuwendung bedürfen. Der pflegerische oder erzieherische Bedarf ist für uns grundsätzlich kein Aufnahmekriterium.
In der Regel kommen die Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren zu uns. Sie verlassen das Kerstin-Heim wieder als junge Erwachsene, wenn sie ihre Schulpflicht erfüllt haben. In Ausnahmefällen können wir von dieser Regelung auch abweichen.
Da die Erziehung behinderter Kinder Eltern häufig vor hohe Anforderungen stellt, verstehen wir unsere Arbeit als eine ergänzende Maßnahme, die die Eltern entlastet und dadurch die Eltern-Kind-Beziehung langfristig stabilisiert.
Das Internat für behinderte Kinder richtet den Lehrplan an den Landesrichtlinien aus, außerdem wird nach den Empfehlungen der Kultusminister-Konferenz unterrichtet. Wie in einer konventionellen Schule erfolgt der Unterricht im Internat für behinderte Kinder an den Vormittagen. Im Vordergrund steht hier auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Klassen im Internat für behinderte Kinder. Möglichkeiten dazu ergeben sich in der Fächergruppe Kulturtechniken. Dazu gehören am Kerstin-Heim die Fächer Mathematik, Deutsch, Religion und Informatik. Großer Wert wird im Internat für behinderte Kinder auch auf die bildende Kunst gelegt. In Theatergruppen lernen die Schüler in der Gruppe zu agieren und verschiedene Charaktere darzustellen.
Ebenfalls wichtig für die Förderung der Schüler in Marburg/Neuhöfe ist der Werkunterricht. Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Werkzeugen fördert die motorischen Fähigkeiten der Schüler. Wie in jeder anderen öffentlichen Schule bietet das Internat für behinderte Kinder einen Musikunterricht an. In klassenübergreifenden Chören können die Schüler zusammen singen. Etabliert hat sich seit bestehen der Schule auch eine eigene Band. Die Schulband ist bei Schülern und Eltern gleichermaßen populär.
Zum Credo der Schule gehört es, in kleinen Einheiten zu arbeiten. Besonders in den Funktionsräumen wie dem Computerraum ist dies wichtig. Mit der gezielten Förderung lassen sich vorhandenen Möglichkeiten der Schüler im Internat für behinderte Kinder individuell stärken. Um immer auf dem modernsten Stand zu sein und den Schülern gerecht zu werden, fand 2000/2001 eine umfangreiche Umbaumaßnahme im Internat für behinderte Kinder statt.
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Die Kinder leben in sechs individuell und wohnlich eingerichteten Wohnhäusern. Zusätzlich gibt es eine Zweizimmerwohnung für junge Erwachsene. In jedem Haus leben sieben bis neun Mädchen und Jungen zusammen. Die Gruppen sind in der Regel nach Alter, Behinderungsart und Behinderungsgrad gemischt. Die Kinder schlafen in Einzel- und Zweibettzimmern. Die Häuser verfügen außerdem über Wohn-, Ess- und Spielzimmer sowie über einen Werk- oder Bastelraum.
Unser rund 23.000 m2 großes Außengelände bietet viele Spiel- und Abenteuermöglichkeiten für die unterschiedlichen Bedürfnisse.

Die einzelnen Gruppen werden durch heil- und sozialpädagogisch geschulte Fachkräfte gefördert und pflegerisch versorgt. Für jedes Haus sind eine Gruppenleiterin bzw. ein Gruppenleiter sowie drei bis vier Erzieherinnen und Erzieher zuständig. Sie werden unterstützt durch Berufspraktikanten, eine Mitarbeiterin im freiwilligen sozialen Jahr oder Zivildienstleistende. Das Kollegium der Sonderschule besteht aus erfahrenen Fachlehrern und Pädagogen. Unterstützt werden sie im Unterricht durch Erzieherinnen und Erzieher. Auch Zivildienstleistende und externe Kräfte bringen sich im Internat für behinderte Kinder ein. So kümmern sich im Kerstin-Heim pro Klasse drei Pädagogen um ihre Schüler.

Motopädagogik

Motologie
Im Mittelpunkt dieses Ansatzes steht der Mensch mit allen seinen Interessen, Ängsten, Wünschen, Nöten und Sehnsüchten, bei dem nicht nur Defizite behoben werden sollen. Ziel der pädagogischen und therapeutischen motologischen Arbeit ist die verbesserte Handlungsfähigkeit und die Erweiterung der Erfahrung in bezug auf die eigene Person (Ich-Kompetenz), die Mitmenschen (Sozial-Kompetenz) und die räumlich-dingliche Umwelt (Sach-Kompetenz). Um diese Kompetenzen zu erlangen bietet die Motopädagogik zahlreiche interessante Spiel- und Übungsmöglichkeiten, die dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen es fordern ohne zu überfordern. Handeln und Erleben sollen einen Bezug zur Lebensgeschichte und den Entwicklungsaufgaben der Kinder und Jugendlichen haben. Denn nur was als sinnvoll erlebbar wird, entfaltet förderliche Wirkung.

Kanufahren
Unsere Kinder und Jugendlichen haben aufgrund ihrer Beeinträchtigung nur wenig, eingeschränkte oder meist negative Erfahrung im Umgang mit sich selbst und ihrer Umgebung sammeln können. Um sie zu einer selbständigeren Lebensführung zu motivieren ist es zunächst einmal wichtig, daß sie ein positives Bild von ihrem Körper und ihren Fähigkeiten gewinnen. Unter Berücksichtigung ihres Entwicklungsstandes und ihrer Interessen wird ihnen im Kerstin-Heim die Möglichkeit gegeben fehlende Erfahrungen zu sammeln und Selbstvertrauen zu gewinnen. Neben Einzelförderung steht besonders die Förderung in Kleingruppen im Vordergrund um auch soziale Kompetenzen wie z.B. miteinander spielen, kooperieren, kommunizieren, gemeinsam Spaß haben, zu berücksichtigen.
Unsere Erfahrungen haben gezeigt, daß durch diese bewegungsorientierte Vorgehensweise die Eigenaktivität und das Selbstbewußtsein der Kinder und Jugendlichen gesteigert werden kann und sich dieses positiv auf die Entwicklung ihrer Gesamtpersönlichkeit auswirkt.
Bewegungsorientierte Freizeitangebote

Fahrradführerschein
Neben dem therapeutischen Angebot werden im Kerstin-Heim verschiedene bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten angeboten. Zum einen lädt der Abenteuerspielplatz und das große Gelände zum Klettern , Schaukeln, Rutschen, Springen, Hüpfen und Rennen ein. Desweiteren finden in Kooperation mit anderen Marburger Einrichtungen Kurse zum Thema Paddeln, Tanzen, Fahrradführerschein statt. Unsere Kinder und Jugendlichen sind bei diesen Angeboten mit viel Spaß und Freude dabei, was die Eltern, Freunde und Verwandten beim jährlichen Tanzkursabschlußball miterleben können.
Weitere therapeutische Angebote
Krankengymnastische, logopädische und ergotherapeutische Behandlungen erfolgen auf ärztliche Verordnung in unseren Räumen.
Das medizinische Angebot
Medizinische Versorgung
Die medizinische Versorgung der Kinder übernehmen niedergelassene Kinderärzte aus Marburg. Für behinderungsspezifische Fragen stehen uns die Fachärzte der Kinder- und Jugendpsychiatrie beratend zur Seite.

Die ärztliche Versorgung, die Therapieangebote, die schulische Förderung und die außerschulische Erziehung in den Wohngruppen werden aufeinander abgestimmt, um die individuelle Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des einzelnen Kindes oder Jugendlichen zu erreichen.
Wir schaffen ihnen Entwicklungsräume, indem wir ihnen innerhalb eines strukturierenden Tagesablaufes auch Vielfalt anbieten. Die Erzieherinnen und Erzieher malen, basteln, musizieren oder spielen mit den Kindern – je nach ihren Fähigkeiten.
Bei unserer pädagogischen Arbeit stützen wir uns auf das “Modell der Lebensformen” von Prof. Dr. Werner Haisch, das im Gegensatz zur traditionellen, defizitorientierten Betrachtungsweise ein positives Bild des Menschen mit Behinderung als Grundlage hat. Das heißt: Wir suchen nicht die Mängel. Für uns zählt vielmehr, was das Kind bereits kann, wo es “steht”. Und dies ist für uns die Basis für die weitere Entwicklung, der Maßstab für unsere Betreuungsarbeit.
Mit Hilfe des von Prof. Haisch entwickelten Konzeptes ermitteln wir den individuellen Betreuungsbedarf eines jeden Kindes und legen in regelmäßigen Abständen konkrete Ziele fest, an denen sich die Erzieherinnen und Erzieher orientieren.
Die Erziehungsziele können ganz unterschiedlich sein: Während bei manchen unserer Kinder die Förderung in den Bereichen wie Motivation, Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit oder Spielvermögen ansetzen muß, steht bei anderen die Selbständigkeit im lebenspraktischen Bereich im Vordergrund.
Bei den Jugendlichen liegt der Schwerpunkt darinnen, sie gezielt auf ihre Lebenssituation nach der Zeit im Kerstin-Heim, etwa auf die Arbeit in einer Werkstatt für Behinderte und auf das Leben im Betreuten Wohnen vorzubereiten.
Unser übergeordnetes Ziel ist, die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, ihr Leben so selbständig, selbstbewußt und so eigenverantwortlich wie für sie individuell möglich zu gestalten. Wir möchten ihnen dazu verhelfen, umfassend am Leben in unserer Gesellschaft teilzunehmen.
info@kerstin-heim.de
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